











Was lag näher als diese Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Urlaub hatten wir in dieser Woche sowieso. Also, schnell die Drachen vom Auto und sofort die Sachen für den C42 Trip zusammenpacken. Vorplanung war bereits getan, da ein Flug zur Ostsee seit längerem unser Ziel war. Die C42 Buchung schnell noch mit Luggi und Herbert abgestimmt, und los ging’s. Am Dienstag den 18. August flogen Ruth und ich die Maschine nach Regensburg Oberhub zum hangarieren. Das erforderliche Fluggepäck wurde von Ruth peinlichst genau gewogen und immer wieder aufs nötigste reduziert. Neben der Kleidung am Körper müssen ein Reserve T-Shirt und eine Reserve Hose für die geplanten 4-5 Tage genügen. Extraleichte Schlafsäcke noch schnell gekauft und eine leichte „Dackelgarage“, sprich Zelt mit eingepackt. Jeder durfte noch eine eigene Zahnbürste und Handtuch (klein) mitnehmen.
Am Mittwoch 09:05 UTC starteten wir bei perfektem Wetter in Oberhub Richtung Berlin Schönhagen. Dort haben wir uns vorab erkundigt, ob es denn auch Mogas für uns gibt.
Der Erste Eindruck war überwältigend. Endlich die heimatlichen Plätze verlassen und neues Terrain erkunden. Dank der Flymap GPS Leihgabe von Franz/Rob/Ulli war das Navigieren kinderleicht. Trotzdem haben wir parallel dazu mit der Karte navigiert. Und das war gut so, weil uns das Gerät durch einen Bedienungsfehler tatsächlich ausfiel. Das war dann eben kein Problem.
Die Flugroute führte über Schmidgaden, Weiden über den Steinwald und das Fichtelgebirge nach Rehau, Gera und von dort schnurgerade nach Berlin-Schönhagen, wo wir nach 02:50 Stunden Flug die erste Zwischenlandung zum Tanken machten. Berlin-Schönhagen ist ein großer professioneller Platz mit viel Verkehr, aber nicht zuletzt wegen den bemerkenswert freundlichen Leuten am Platz absolut stressfrei. Obwohl wir wegen des GPS- Ausfalls von der Platzrunde durch eine geringfügige Abweichung in ein direkt angrenzendes Vogelschutzgebiet eingeflogen sind, hat niemand ein Wort darüber verloren. Das sollte auch unser einziger „Lapsus“ auf der ganzen Tour bleiben. Frisch gestärkt und vollgetankt flogen wir die letzte Tagesetappe nach Usedom. Mit Heringsdorf hatten wir vorab schon telefonisch Kontakt aufgenommen, für den Fall, dass der UL Platz Mellenthin geschlossen sei. Die gewählte Flugroute führte Westlich um Berlin. Über Potsdam konnte man die Villen der Prominenz bestaunen. Kurz vor dem Berliner Flugplatz mit dem Namen Bienenfarm änderten wir unseren Kurs auf 029° Usedom/Mellenthin. Tatsächlich war der Platz per Funk nicht erreichbar. Über Heringsdorf Turm holten wir uns die Freigabe zum Einflug in die D(HX) und erfuhren, dass Mellenthin den Flugbetrieb aktuell angemeldet habe. Als wir dann über dem UL-Platz in die Platzrunde drehten hat man dann auch den Funkbetrieb aufgenommen. Kaum gelandet wurden wir von Jürgen und Heidi Jordan, den Chefs am Platz begrüßt. Eigentlich war romantisches Zelten unter der Tragfläche der C42 geplant, gingen dann aber doch in die Fliegerpension am Platz. Die ansässigen Flieger leben über die Sommermonate auf dem Platz in Wohnwagen und genießen das Fliegerleben in der Gemeinschaft. Ein Vereinsheim mit Küche, Büro und Gaststube (nicht bewirtet) steht offen zur Verfügung. Jürgen hat hier seine FK9 Mk3 hangariert. Des Weiteren haben wir ganz hinten in der Halle eine Remos Gemini entdeckt. Anders als der 2-Takt „Erich“ in Kirchdorf ist diese mit BMW Boxer Motor ausgestattet. Hat zurzeit nur leider einen Fahrwerksschaden nach einer Außenlandung. Nachdem die C42 am Boden verankert, unser Gepäck verräumt und wir geduscht waren, besichtigten wir das Wasserschloss gleich um die Ecke und gingen dann in ein gutes Retaurant, wobei wir ca. 5km gewandert sind.
Am Morgen war wieder tolles Flugwetter. Nur der Wind blies mit 17 Knoten aus 100°-120°. Nun peilten wir die Attraktionen der Ostsee an. Über Stralsund, dem Platz an welchem die erste Rakete erfolgreich in den Weltraum geschossen wurde, flogen wir an der schmalsten Stelle über das Meer nach Rügen. Ich ging vorsichtshalber auf ausreichende Höhe um im Falle des Falles im Gleitwinkel ans Festland zu gelangen. Die Ostseeküste aus der Luft war ein besonderes Erlebnis. An den Beliebten Badeorten reihen sich die Badetücher aneinander wie Autos auf einem Supermarkt. Also nichts für uns, aber von oben ganz hübsch anzusehen. Das ehemalige KDF Seebad Prora gilt als Längstes Gebäude und übertrifft mit seinen 4,5 km den 3250m langen Terminal 3 von Peking. Leider ist die Anlage aus der unrühmlichsten Zeit Deutschlands etwa so attraktiv wie eine militärische Kasernenanlage und ist daher ungenutzt. Es folgt die Kalkfelsenküste und wie zu erwarten ist die Luft weiter unten schon sehr Aluminiumhaltig. Es empfiehlt sich die Augen offen zu halten, da viele Piloten die Schönheit der Küste zu schätzen wissen. Kap Arkona haben wir angeflogen, da uns gesagt wurde, dies sei der nördlichste Punkt Deutschlands. So waren wir auch ganz stolz auf unsere Flugleistung und haben Präsi Luggi auch gleich ge SMS’t. Meine Kontrolle, später auf der Karte, bestätigte jedoch meinen Verdacht, dass die Einheimischen ihren nördlichsten Punkt noch auf der DDR-Schule gelernt hatten. Tatsächlich liegt jedoch der nördlichste Punkt Deutschlands beim damaligen Klassenfeind, nämlich auf Sylt. Daher die Anführungszeichen in der Überschrift. Den echten auf Sylt fliegen wir das nächstemal an.
Nächste Landung Rügen EDCG 11:33 UTC. Die Landung empfand ich bei kernigem Seitenwind 18 Knoten aus 150° zur 09 knifflig, ging aber absolut geschmeidig. Nach einer kleinen Stärkung auf der Terrasse am Platz flogen wir zum Tanken nach Anklam. Ein weiterer Grund war die angekündigte Front welche uns abends bzw. in der Nacht erreichen sollte. Da erschien uns die Möglichkeit den Flieger in Anklam in einen Hanger stellen zu können sinnvoll. Die Wetterberatung holten wir uns regelmäßig auf den Internetservern der Platze. Der Flug nach Anklam war nach dem tollen Flug an der Küste Rügens weniger spektakulär, aber… Hauptsache in der Luft!
Die Landung in Anklam bei ähnlichen Windverhältnissen war mittlerweile gar kein Thema. Für die C42.fand sich ein Platz neben einem Amerikanischen WW2 Veteranen. Zur Unterkunft gab’s gleich nebenan eine Fliegerpension mit Frühstück und fürs mobile Leben liehen wir uns 2 Fahrräder aus. In Anklam besichtigten wir unter anderen das Lilienthalmuseum. Offensichtlich fand der erste schwerer-als-Luft-Flug (Ballone gab es ja schon) mit einem Drachen statt.
Irgendwie wollte dann die Front nicht kommen. Es schien als löse sie sich unmittelbar westlich von Anklam auf. Wir beschlossen daher wieder nach Usedom zu fliegen, um die Ostseeküste Per Pedes zu erreichen. Dies geht besser von Heringsdorf aus als von Mellenthin. So flogen wir wieder über das Haff von Usedom und meldeten uns bei Heringsdorf Turm um in die D(HX) einfliegen zu können. 2350 Meter Runway sind reichlich Bahn für ein UL. Die Landegebühr mit 4 Euro dagegen vorbildlich! Immerhin landen dort mit uns auch ausgewachsene Passagiermaschinen wie BOING 737. Mit den Leihfahrrädern vom Platz radeln wir zum Strand, haben aber kaum Zeit, da um 19 Uhr Ortszeit der Flugplatz schließt. Damit wir so richtig Spaß an dem Ausflug haben erwischt uns beim heimradeln ein kräftiger Regenschauer. Wir sind klitschnass. Bei der C42 angekommen entdecken wir, dass unser Flieger im Vergleich zu einem Auto alles andere als dicht ist. Die unter dem Sitz verstauten Karten schwammen in einem See. Mit dem Turm vereinbarten wir, dass wir ein Zeitfenster zum Flug nach Mellenthin abwarten, da dort unser Quartier ein sollte. Die letzte landende IFR Maschine die unseren Funk mit verfolgte berichtete jedoch von einer Gewitterzelle genau über Mellenthin, sodass wir uns ein Taxi bestellten und die Maschine mit dem von dem freundlichen Bodenpersonal zur Verfügung gestellten Gerätschaft am Boden festtackerten. Bemerkenswert dabei: Es war bereits 20 Minuten über deren Feierabend.
In Mellenthin konnten wir unser altes Zimmer beziehen, die Kleider trocknen und uns in der Küche eine von Jürgen besorgte Dose Eintopf warmmachen. Bier hatte er auch dazu, der Abend war gerettet. Gut dass wir extra schnelltrocknende Wäsche aus Synthetikfasern hatten.
Der Heimflug ging über die gleiche Route und zum Tanken wieder nach Berlin Schönhagen. War ich beim Hinflug noch leicht gestresst, verlief der Rückflug absolut relaxt. Der Bewölkungsgrad war 3/8-Cu und es bildeten sich einige Cu- Congestus. Um Einflug in Regen zu vermeiden mussten wir ein paar Zellen umfliegen, was uns aber vom Kurs kaum abbrachte. Bei Regensburg landeten wir noch in Grisau, wo der Aumer Rudi mit Drachen F-Schlepp aktiv ist. Bei der Gelegenheit haben wir für das nächste Wochenende gleich einen Termin zum Drachenfliegen vereinbart. So ergänzt sich Drachenfliegen und Ul perfekt. Zwar waren die letzten Meter nach Eggenfelden spannend, da die Wolken ab Dingolfing tief herunter reichten, aber über Funkkontakt nach Eggenfelden holte ich mir die Wetterinformation von unserem Zielplatz den wir dann über ein paar ausweichkurven ansteuerten.
Welche Überraschung, Präsident Luggi, Franz, Rob und Sepp saßen gerade bei einer Pizza im Lokal und wir konnten unser Abenteuer gleich an den Mann bringen.







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